Abschied nach Berlin

Konzert: Christoph Bornheimer spielt an der Orgel der Johanneskirche in Darmstadt

DARMSTADT. Auf der Suche nach Neuem, selten Gespieltem ist der junge Darmstädter Organist Christoph Bornheimer, der am Samstag in der Johanneskirche eines von mehreren Abschiedskonzerten gab. Bornheimer, Orgel-Schüler von Wolfgang Kleber, bestand kürzlich sein Abitur und ist nun auf dem Sprung nach Berlin, wo er an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein freiwilliges soziales Jahr ableisten wird. Dort soll er sich um die Organisation der Konzerte kümmern, und damit wird er – auch vor einem etwaigen Studium – der Musik eng verbunden bleiben. Und er kann wiederum manches Neue entdecken, nicht nur auf dem Gebiet der Orgelmusik.

Sein Programm in der Johanneskirche war schwerpunktartig dem genialen französischen Komponisten Jehan Alain gewidmet, der, erst neunundzwanzig Jahre alt, im Zweiten Weltkrieg 1940 bei Saumur gefallen ist. Christoph Bornheimer betonte eingangs den meditativen Charakter der „Variations sur Lucis Creator“ von Alain, und er ließ in der abschließend gespielten dreisätzigen, kontrastreichen „Suite“ viele der Farben aufleuchten, die der großen, 1952 erbauten Steinmeyer-Orgel zu entlocken sind. Dass Alain ein nachdenklicher, sensibler Künstler war, machte Bornheimer auch durch die Lesung einiger Texte des Komponisten deutlich. „Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Tanz und dem Schmerz“, heißt es da; ohne Worte lassen sich tiefe menschliche Empfindungen ausdrücken, allein durch die Sprache der Musik.

Von dem 1992 gestorbenen kühnen Neutöner John Cage erklang mit „Souvenir“ (1983) ein vergleichsweise harmloses Werk, das durch den geschickt hervorgehobenen Gegensatz zwischen zarten Flötenstimmen und dröhnenden, bedrohlichen Bass-Clustern fesselte. Aus Paul Hindemiths erster Orgelsonate von 1937 erklangen zwei ruhige Sätze in bemerkenswert reifer, durchsichtiger Darstellung. Schade, dass Bornheimer nicht die ganze Sonate spielte. Am Ende des Konzerts gab es eine eindrucksvolle Zugabe, bei der die Klangfülle der Orgel besonders gut zum Tragen kam: Johann Sebastian Bachs mächtiges Es-Dur-Präludium.

Klaus Trapp

Darmstädter Echo vom 27.8.2007